30. Oktober 2008...14:05

Baulinie Neufrankengasse – wenn Zukunft zur Gegenwart wird.

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Planung spielt in der Zukunft. Planungsvorlagen haben deshalb oft einen schweren Stand. An der Neufrankengasse im Kreis 4 machen die Projektgegner die Zukunft zur Gegenwart. Hinter dem Nein zur Baulinienverlegung stehen denn auch aktuelle Befürchtungen. Der Widerstand zeigt Probleme und wirft Fragen auf, die die Befürworter und insbesondere die Stadt Zürich beantworten müssen.

Die Stadtzürcher Stimmbevölkerung hat über eine Vorlage zu befinden, deren Umsetzung – wenn überhaupt – erst in rund 20 Jahren vorgesehen ist (siehe NZZ v. 29.10.08). Das ist die Aufgabe der Planung. Aber das ist nicht einfach zu kommunizieren. Deshalb verlegen die Projektgegner ihre Argumentation auch von der Zukunft in die Gegenwart. Und diese Argumentation wird von Teilen der Medien auch übernommen. So steht denn für den Tagesanzeiger auch „viel auf dem Spiel“, wenn er schreibt, dass das Tram 1 Beizen im Kreis 4 bedroht. Liest man den Artikel, könnte man meinen, dass nach einem Ja zur neuen Baulinie morgen die Bagger auffahren.

Von symbolischem Gehalt

Der Kampf gegen die neue Baulinie ist jedoch von symbolischem Gehalt. Dahinter verbergen sich Ängste, die nicht die Zukunft in 20 Jahren, sondern aktuelle Veränderungen im Quartier betreffen. Die Massnahmen der Stadt zur Aufwertung des Langstrassen-Quartiers zeigen nämlich langsam Wirkung. Auch das Bahnhofviertel wächst immer mehr in Richtung Langstrasse, mit entsprechendem Druck auf Preise und Mieten im Quartier. Das Gegnerkomitee wehrt sich auf ihrer Website denn auch gegen die „Vertreibung und soziale Umschichtung“.

Es ist fraglich, ob die Argumente der Quartierbevölkerung in der gesamten Stadt auf Resonanz stossen. Die Ängste, dass sich weite Teile der Bevölkerung Zürich in Zukunft nicht mehr leisten können, beschränken sich jedoch nicht nur auf das Quartier. Sollen am Abstimmungswochenende nicht einmal mehr Probleme vermischt werden, müssen diese Befürchtungen ernst genommen werden. Antworten der Politik sind gefragt. Ansonsten läuft die Stadt in die Gefahr, Planungsarbeit zu opfern, ohne damit Probleme zu lösen.

Baulinien unterteilen die Stadtstruktur in privat verfügbare Überbauungsfelder und Erschliessungskorridore für die öffentliche Infrastruktur. Sie sind gewissermassen die unsichtbare Grenze zwischen privatem und öffentlichem Raum. Baulinien sind demnach unverzichtbar. An der  Neufrankengasse im Zürcher Kreis 4 wurde bereits 1925 eine Baulinie im regionalen Verkehrsrichtplan festgelegt. Geplant war schon damals eine Tramlinie durch das Langstrassenquartier. Die Tramlinie steht noch nicht und wird gemäss Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich auch frühestens ab 2025 in Betracht gezogen. Man weiss jedoch schon heute, dass die im Richtplan von 1925 vorgesehene Linienführung heute nicht mehr sinnvoll ist. Deshalb soll die Baulinie neu festgelegt werden. Dadurch erhalten die Grunstücksbesitzer und Hauseigentümer Planungssicherheit und wissen, wo und wie sie in Zukunft planen können. Der Gemeinderat stimmte denn auch deutlich der Anpassung der Baulinie zu.

Ein Komitee, bestehend aus Anwohnern, Gewerbetreibenden und der Alternativen Liste (AL), hat dagegen das Referendum ergriffen, so dass der Entscheid am 30. November an der Urne fällt.

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