24. Juli 2008 · 10:48

Stadion Zürich (Bild Stadt Zürich)
Für das neue “Stadion Zürich” muss der Grundwasserspiegel um mindestens einen Meter abgesenkt werden. Dazu ist eine kantonale Ausnahmebewilligung erforderlich. In diesen Tagen wird das entsprechende Baugesuch publiziert. Die Anwohner könnten ein letztes Mal den Gang vors Bundesgericht beschreiten.
Urs Spinner vom Hochbaudepartement der Stadt Zürich befürchtet jedoch keine weiteren Rekurse (Tagesanzeiger, 24.7.08). Das Verwaltungsgericht habe in einem früher publizierten Urteil klar angeführt, dass der Kanton dieses Gesuch bewilligen müsse. Spinner: «Ein Rekurs von Seiten der Anwohner wäre demnach reine Zwängerei.»
Mag sein, dass man in dieser nicht enden wollende Geschichte des Stadionbaus auch mal ungeduldig wird. Verständlich – aber nicht unbedingt von Vorteil für den Verhandlungsverlauf. Roger Fisher, William Ury und Bruce Patton schrieben vor 27 Jahren (sic!) den Klassiker zum Thema Verhandeln: „Das Harvard-Konzept“. Vielleicht lohnt sich wieder einmal ein Blick da rein:
Bestimmt in der Sache, aber weich mit dem Verhandlungspartner
Die Menschen finden sich in einem Dilemma. Sie kennen meist nur zwei Verhandlungsarten: die harte und die weiche. Wer weich verhandelt, will persönliche Konflikte vermeiden und macht daher eher Zugeständnisse, um so eine friedliche Übereinkunft zu erzielen. Oft endet das allerdings mit dem bitteren Gefühl, dass er ausgenutzt wird. Der hart Verhandelnde dagegen betrachtet jede Situation als einen Willenskampf, in dem die Seite besser fährt, die die extremere Position einnimmt und länger durchhält. Er will gewinnen. Doch das endet oft damit, dass er eine ebenso harte Antwort bekommt, seine Mittel sich erschöpfen und die Beziehungen zur anderen Seite in Mitleidenschaft gezogen werden.
Es gibt einen dritten Weg. Dies Methode des «sachbezogenen Verhandelns» besteht darin, Streifragen lieber nach ihrer Bedeutung und nach ihrem Sachgehalt zu entscheiden als in einem Prozess des Feilschens. Dabei muss man soweit wie möglich auf gegenseitigen Nutzen hinarbeiten und dort, wo Interessen einander widersprechen, darauf bestehen, dass das Ergebnis auf Prinzipien beruht, die fair und vom beiderseitigen willen unabhängig sind.
Beim Verhandeln nach dem Harvard-Prinzip geht es darum, „hart in der Sache, sanft zum Menschen“ zu verhandeln und so seine Ziele zu erreichen, ohne sich Feinde zu machen. Fischer, Ury und Patton lehren, wie man sich in die Gegenseite, ihre Interessen und Ziele hineindenkt, wie man auf feste Positionen verzichtet und stattdessen gemeinsam Alternativen entwickelt. So vermeidet man festgefahrene Verhandlungssituationen. Wichtig ist, sich nicht auf die „einzige“ oder „beste“ Lösung zu fixieren. Sonst kommt man gar nicht erst auf die Idee, nach anderen Möglichkeiten zu suchen. „Wer sachbezogen verhandelt, akzeptiert weder die Position seines Gegenübers noch weist er sie zurück. Damit bleibt der Dialog sachlich“.
Vier Bedingungen sind dafür notwendig. Sie sind die Grundprinzipien erfolgreichen Verhandelns nach dem Harvard-Konzept:
1. Die Beteiligten müssen Menschen und Probleme voneinander trennen.
2. Was zählt sind die Interessen, nicht die Positionen.
3. Es gilt, für sich selbst wie auch zusammen mit den Verhandlungspartnern Alternativen zu entwickeln, die für beide Vorteile bringen.
4. Alle Beteiligten müssen sich auf objektive Kriterien einigen, an denen das Verhandlungsergebnis gemessen werden kann.
Besonders spannend sind natürlich die Tipps der Autoren, wie man seine Verhandlungspartner zu einem fairen Verhalten bewegen kann, wenn die keine Lust zum „Mitspielen“ nach den Harvard-Regeln haben oder gar mit Tricks, Drohungen, Druck und psychologischer Kriegsführung aufwarten. „Die Standardreaktion ist, solche Taktiken zu erdulden oder mit gleicher Münze zurückzuzahlen“, erklären die Autoren. Doch das ist genau das Falsche. Stattdessen gilt: Bloß nicht auf Druck eingehen. Die Taktik des anderen durchschauen und höflich ansprechen. Nach dem Motto: „Ich habe den Eindruck, dass ihr hier gerade eine Good-Cop-bad-Cop-Vorstellung abzieht. Kann das sein?“ Selbst zu drohen halten die Autoren nicht für empfehlenswert. „Drohungen sind gefährlich. Sie können Gegendrohungen bewirken und eine zerstörerische Spirale in Gang setzen.“
Roger Fisher / William Ury /Bruce Patton: “Das Harvard-Konzept”
Campus Verlag, Frankfurt/New York