
Visionen zum Seeufer Stadt Zürich ("Stadt am Wasser"; Team West8)
Seien wir realistisch. Der Neubau für ein grosses Kongresshaus in der Stadt Zürich wird – wenn überhaupt – nicht vor 2020 realisiert. So und nicht anders sind die aktuellen politischen Signale zu deuten. Niemand will sich momentan die Hände verbrennen, schon gar nicht die städtische Hochbauvorsteherin, die Stadtpräsidentin werden will. Es herrscht die eigentliche Ratlosigkeit. Standorte werden am Morgen lanciert und schon am selben Abend wieder begraben. So geschehen mit dem Vorschlag für ein Kongresshaus neben der Universität. Vielleicht gut so. Zürich ist für den nächsten Schritt Stadtentwicklung noch nicht bereit.
Von 1882 bis 1887 wurden unter der Leitung des damaligen Stadtingenieurs Arnold Bürkli (1833 -1894) entlang dem Seeufer Land aufgeschüttet und eine durchgehende Uferpromenade mit Alleen, Wiesen und Parks eingerichtet. Bürkli hat das Zürcher Seeufer den aktuellen Bedürfnissen nach Hygiene, Verkehrserschliessung und Platzbedarf angepasst und komplett neu gestaltet. Im heutigen Umfeld wäre dies wohl nicht mehr möglich. Obwohl der General-Guisan-Quai (damals „Alpenquai“) heute längst nicht mehr die Flaniermeile ist, als die sie Bürkli entworfen hatte, gilt die Uferanlage als sakrosankt.

Die Atmosphäre des stadtnahen Uferraumes, ehemals von Bürkli als Flaniermeile geplant (links), wird heute von starkem Verkehrsaufkommen gestört.
So hatten sich die Teilnehmer am Kongresshaus-Wettbewerb auf die Parzellen hinter der Strasse zu beschränken. Beim vorgegebenen und wohl sinnvollen Raumprogramm konnte nur ein unbefriedigendes Projekt entstehen, das von den Zürcher Stimmbürgern auch abgelehnt wurde.
Neue Visionen für das Seebecken
Dieses Jahr wollen Stadt und Kanton Zürich ihr Leitbild Seebecken veröffentlichen. Bereits 2004 durften einige ausgewählte Büros ihre Visionen_zum_Seeufer präsentieren. Interessant ist der Beitrag der holländischen Landschaftsarchitekten vom Team West 8. Mittels ihren Eingriffen wollen sie die Stadt (wieder) an den Uferrand zurück bringen und damit die Idee der Flaniermeile am See, ohne Verkehr (Lärm und Gestank) wieder erwecken.

General-Guisan-Gracht (Team West8)
Das Ufer wird um ca. 60 m Richtung See verschoben. Der Stadt werden Baublöcke mit Innenhöfen vorgelagert. Das Strassenprofil ändert sich, denn der Durchgangsverkehr entlang des Ufers wird durch einen Tunnel unterhalb der neuen Uferpromenade geleitet. Durch die Verminderung des Verkehrs kann ein städtischer Raum mit Seewasser, Baumreihen und Brücken entstehen, eine Atmosphäre wie sie Zürich schon an der Limmat hat. Variierte Bebauung mit unterschiedlichen städtischen Funktionen reiht sich um diese Adresse. Die Stadtstruktur wird geschlossen. Zusammen mit der Uferpromenade, den Innenhöfen und der introvertierten Gracht erhält Zürich ein neues Stadtviertel am Wasser. Die Gracht verbindet das Arboretum mit der Innenstadt und bringt den See in die Stadtstruktur. Das Bild der Bauten am Wasser erinnert an die Hotelzeilen am Vierwaldstättersee.

Die Stadt liegt direkt am See und wird nicht von einer Verkehrsachse vom Ufer getrennt.
Kongresshaus am Bürkliplatz
Am Bürkliplatz entsteht in der Verlängerung der Bahnhofstrasse Platz für ein Kongresshaus. Ein Aushängeschild für die Stadt Zürich.
Bloss, solche Projekte muss man wollen. Sie müssen von Persönlichkeiten, wie einem Stadtbaumeister Arnold Bürkli vertreten werden, die die Stadt weiter entwickeln wollen.
Im aktuellen Umfeld, werden Bauprojekte nur allzu gerne politisch instrumentalisiert. Die eigentliche Entwicklung der Stadt und eine echte Diskussion darüber gerät in den Hintergrund. Zürich ist eine schöne Stadt, mit anerkannter, hoher Lebensqualität. Wie leicht ist es, einfach alles beim alten zu belassen, weil scheinbar schon alles perfekt ist. Die Zeit ist noch nicht reif für den nächsten Schritt in der Zürcher Stadtentwicklung.
Städte verändern sich – gewollt oder ungewollt – der General-Guisan-Quai ist bestes Beispiel dazu. Das viel gelobte Seebecken in Zürich ist heute vor allem eine viel befahrene Strasse mit einigigen Bäumen und einer Quaianlage davor. Zürich hat es in der Hand, in Zukunft mehr daraus zu machen.